BVB - Taktik-Thread
20.01.2006 - 12:09 Uhr
22.09.2026 - 09:23 Uhr
Zitat von TheDoctor128
Das ist denke ich auch einerseits eine eher Kovac-untypische Entwicklung, da er immer recht risikoavers war, gleichzeitig aber auch irgendwie eine Art das Risiko zu erhöhen, die schon zu Kovac passt.
Das ist denke ich auch einerseits eine eher Kovac-untypische Entwicklung, da er immer recht risikoavers war, gleichzeitig aber auch irgendwie eine Art das Risiko zu erhöhen, die schon zu Kovac passt.
Ich würde das auch nochmal aus einem etwas anderen Blickwinkel betrachten als du im Anschluss an diesen Satz. Denn Kovac hat in meinen Augen gar nicht so viele Grundsätze seines Systems der Vorsaison aufgegeben, falls überhaupt. Es geht immer noch stark darum, dass man hinter dem Ball numerische Überlegenheit behält und die Nachrückbewegung ist nach wie vor ausbaufähig, zumal sie es schwieriger hat. In beiden Fällen wegen der Erhöhung an langen Bällen, mit dem Ziel den Gegner schneller zu überspielen, wodurch die Unterstützung oft noch schneller nachrücken müsste. Was sie schon vorher zu selten schaffte. Das habe ich aber eher dem tiefen Schwerpunkt des Systems zugesprochen, der nur durch das höhere Verteidigen allein auch noch nicht per se weg ist, gerade weil der Ballbesitz vorne dafür fehlt. Ja, die Kette ist höher und agiert aggressiver, aber wir behalten trotzdem Überzahl hinter dem Ballverlust. Der numerische Schwerpunkt befindet sich immer noch rund um die Kette, während sich an den Situationen, in denen bestimmte Spieler im Ballbesitz aufrücken dürfen oder gar sollen, eher wenig geändert zu haben scheint.
Die potenziellen Räume für den Gegner enstehen also mehr über das aggressivere Zweikampfverhalten. Dafür bekommen wir aber auch defensiv mehr Zugriff und steigern nicht nur Risiko, sondern tauschen an manchen Stellen eher Risiken aus. So sind zwar die potenziellen Räume für Gegner mehr Risiko für uns, aber wir haben auch etwas dafür getan, um es zu limitieren. Gadous Tempo ist eine Geschichte für die Absicherung, um das Risiko abzufedern, die höhere Aggressivität in den Zweikämpfen eine andere, die dann eben auch durch die Optimierung in der Absicherung auch erst ermöglicht wird. So sehr, dass wir sogar im Zentrum mit Veerman defensiv gegen den Trend schwimmen können - was wir mit Groß nicht konnten. Zumal die Intensität in der Rückwärtsbewegung gefühlt weiterhin höher ist als im Spiel nach vorne. Selbst wenn die numerische Überzahl rund um die Kette daher mal nicht da ist - was vor allem auf Ryersons Seite riskiert wird -, wird viel daran gesetzt, dass der Gegner nicht zu viel Zeit bekommt, um deren Fehlen zu nutzen. Wir haben defensiv daher das Risiko erhöht, dass wir Fehler machen und bieten definitiv Räume an, die die Gegner noch nicht gut finden. Wir haben aber eben auch etwas getan, dass das Risiko nicht einseitig erhöht wurde. Wenn man so will, dann gab es die Risikosteigerung nicht ohne gegensteuernde Maßnahmen. Was hier am Ende die Überhand behält, wird die Zeit zeigen müssen. So klar, wie es jetzt ist, muss es jedenfalls nicht bleiben. Da darf man bspw. Gadou individuell nicht überschätzen, da er noch genug Baustellen in seinem Spiel hat, obwohl er bislang der größte individuelle Hebel ist, um innerhalb der bisherigen Prinzipien mehr Risiken einzugehen.
Zum Saisonende sahen wir zudem ja auch schon mit Brandt und Inacio, wie das Risikomanagement mit den langen Bällen stattfinden sollte: sehr viel weniger Fokus auf Guirassy als Anspielstation, um das Zentrum zu überspielen. Das sind im Endeffekt alles Dinge, die das Risiko gering halten oder sogar minimieren, trotzdem mit der verstärkten Direktheit und der damit einhergehenden Risikoerhöhung das Risiko insgesamt gesteigert wurde. Ich denke Kovac bleibt hier bislang ganz klar im Rahmen seiner bisherigen Prinzipien. Deswegen geht es auch nicht um eine Besserung im Ballbesitz, weil er damit zwangsläufig Widersprüche zum Bisherigen schaffen müsste. Trotz der Spielstärke, die wir auf OA aufstellen, schaffen wir damit deswegen auch keine Maßnahme für den Ballbesitz, die eigentlich damit zu erwarten wäre, sondern Kovac möchte das für schnellere Umschaltbewegung und letzten Endes vor allem schnelle Abschlüsse nutzen. Die Spieler vorne werden dabei allesamt atypisch eingesetzt. Man stellt eigentlich auf Spieler mit Spielstärke ab, nutzt aber nicht primär deren Spielstärke, um Spielstärke als Kollektiv zu erzeugen, sondern braucht diese Spielstärke offenbar als Mittel zum Zweck, dass man schneller vor das gegnerische Tor kommt, obwohl man vorne weiterhin wenig Mann vor das Tor bekommen sollte, weil die Nachrückbewegung weiterhin taktischen Limitationen unterliegt als auch das dafür nötige Tempo nicht optimiert wurde. Im Gegenteil.
Wenn man so will, müssen 1-2 Spieler durchkommen, also vor das Tor und dann muss weiterhin die Effizienz stimmen. Wir sind nur etwas variabler geworden, wer vor das Tor kommen muss, dank dessen, dass Guirassy deutlich teamorientierter spielt bislang, was ich ihm so ebenfalls nicht mehr zugetraut habe, weil er er sich bisher eher gegenteilig entwickelte. Das ergibt mehrere Nachhaltigkeitsfragen. Bei Guirassy die offensichtliche, indem sich eben die Frage stellt, was bei einer längeren Durststrecke bei den Scorern und vor allem Toren passiert, was nun mal nicht unwahrscheinlich ist, weil nach dem Mitspielen weiterhin wenig Zeit für die Boxbesetzung bleibt? Bleibt er teamorientiert oder will er die eigenen Tore wieder zu sehr erzwingen? Die andere Frage ergibt sich aus dem gordischen Knoten in der Offensivzusammenstellung. Mit den schnellen Optionen auf OA hat man offensichtlich nicht genug Spielstärke gehabt oder sich zumindest nicht zugetraut - vieles ging da eben gar nicht erst über die OA, um das klar belegen zu können -, um die langen Bälle ausreichend häufig festzumachen. Hat man sie jedoch festgemacht, war man prinzipiell besser aufgestellt, um schnell vor das gegnerische Tor zu kommen. Jetzt ist man sehr gut aufgestellt, um die langen Bälle festzumachen und erst recht, um sie schnell vor das Tor zu spielen, aber man ist schlechter geworden, was die Fähigkeiten zum Erlaufen von Bällen in die Tiefe betrifft, obwohl man sie im Anschluss mehr bespielt bzw. bespielen kann. Dabei gewinnen wir momentan Sprintduelle, die in der Bundesliga keine Selbstverständlichkeit sind, weil nicht nur unser Timing passt, sondern die Gegner auch noch Fehler machen, die zu gut vermeidbar wirken. Wir sind hier also gerade deutlich besser als wir eigentlich darin sein sollten.
Damit der gordische Knoten keiner wäre, müssten jedenfalls beide Bedingungen optimiert werden: Festmachen der langen Bälle, samt Weiterleiten und Fähigkeiten zum Bespielen der Tiefe. Deswegen ginge es eigentlich weiterhin um Entwicklung beim Ballbesitz - um das Überspielen des Mittelfelds unnötig zu machen, weil man dort bekäme, was man nun auf OA installiert hat -, die unter Kovac aber nicht stattfindet - vielleicht, weil es das größte Risiko für Kovac wäre, indem er dafür Mannstärke hinter dem Ball mehr denn je aufgeben müsste. Da wir das aber offensichtlich nicht können, besteht das Grundproblem weiterhin und bleibt daher ein großes Risiko, dass der OP Spielansatz an Stärke verliert, je größer die Stichprobe. So logisch es schließlich ist, dass der Aufbau wichtiger als die Spielverbindung, die Spielverbindung wichtiger als die Chancenkreation und die Chancenkreation wichtiger als der Abschluss sind, weil es jeweils vorgelagert ist, so sensibel bleibt jede Schwäche in einem der Bereiche, um die Kette bis zum Torerfolg zu durchbrechen. Im Endeffekt würde ich daher, trotz der klaren Risikosteigerung durch das Risiko von mehr Ballverlusten, nur von einer Evolution des Kovac Systems reden, aber nicht von einer Revolution. Zumal der Evolution eben durchaus auch risikomindernde Maßnahmen gegenüberstehen. Der risikoaverse Kovac ist jedenfalls alles andere als Geschichte. Was bezüglich echter Entwicklung wohl das größte Fragezeichen ist, weil es auch schnell wieder rückabgewickelt werden kann, wenn sich zeigen sollte, dass sich ein Risikoaustausch nicht (mehr) lohnt oder ein dazugewonnenes Prinzip verpufft. Davor sind wir noch nicht gefeit, trotzdem es schon den ein oder anderen guten Gegner gab. Die Andeutungen der Systemschwächen aus diesen Spielen lassen sich jedenfalls nicht wegdiskutieren und müssen nicht nur Andeutungen bleiben. Trotzdem es Kovac erstaunlich gut gelingt, seit er hier ist, dass die Systemschwächen nicht auf die Ergebnisse durchschlagen.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von BVBBC am 22.09.2026 um 09:26 Uhr bearbeitet
22.09.2026 - 10:13 Uhr
Zitat von BVBBC
Die potenziellen Räume für den Gegner enstehen also mehr über das aggressivere Zweikampfverhalten. Dafür bekommen wir aber auch defensiv mehr Zugriff und steigern nicht nur Risiko, sondern tauschen an manchen Stellen eher Risiken aus. So sind zwar die potenziellen Räume für Gegner mehr Risiko für uns, aber wir haben auch etwas dafür getan, um es zu limitieren. Gadous Tempo ist eine Geschichte für die Absicherung, um das Risiko abzufedern, die höhere Aggressivität in den Zweikämpfen eine andere, die dann eben auch durch die Optimierung in der Absicherung auch erst ermöglicht wird. So sehr, dass wir sogar im Zentrum mit Veerman defensiv gegen den Trend schwimmen können - was wir mit Groß nicht konnten. Zumal die Intensität in der Rückwärtsbewegung gefühlt weiterhin höher ist als im Spiel nach vorne. Selbst wenn die numerische Überzahl rund um die Kette daher mal nicht da ist - was vor allem auf Ryersons Seite riskiert wird -, wird viel daran gesetzt, dass der Gegner nicht zu viel Zeit bekommt, um deren Fehlen zu nutzen. Wir haben defensiv daher das Risiko erhöht, dass wir Fehler machen und bieten definitiv Räume an, die die Gegner noch nicht gut finden. Wir haben aber eben auch etwas getan, dass das Risiko nicht einseitig erhöht wurde. Wenn man so will, dann gab es die Risikosteigerung nicht ohne gegensteuernde Maßnahmen. Was hier am Ende die Überhand behält, wird die Zeit zeigen müssen. So klar, wie es jetzt ist, muss es jedenfalls nicht bleiben. Da darf man bspw. Gadou individuell nicht überschätzen, da er noch genug Baustellen in seinem Spiel hat, obwohl er bislang der größte individuelle Hebel ist, um innerhalb der bisherigen Prinzipien mehr Risiken einzugehen.
Zitat von TheDoctor128
Das ist denke ich auch einerseits eine eher Kovac-untypische Entwicklung, da er immer recht risikoavers war, gleichzeitig aber auch irgendwie eine Art das Risiko zu erhöhen, die schon zu Kovac passt.
Das ist denke ich auch einerseits eine eher Kovac-untypische Entwicklung, da er immer recht risikoavers war, gleichzeitig aber auch irgendwie eine Art das Risiko zu erhöhen, die schon zu Kovac passt.
Die potenziellen Räume für den Gegner enstehen also mehr über das aggressivere Zweikampfverhalten. Dafür bekommen wir aber auch defensiv mehr Zugriff und steigern nicht nur Risiko, sondern tauschen an manchen Stellen eher Risiken aus. So sind zwar die potenziellen Räume für Gegner mehr Risiko für uns, aber wir haben auch etwas dafür getan, um es zu limitieren. Gadous Tempo ist eine Geschichte für die Absicherung, um das Risiko abzufedern, die höhere Aggressivität in den Zweikämpfen eine andere, die dann eben auch durch die Optimierung in der Absicherung auch erst ermöglicht wird. So sehr, dass wir sogar im Zentrum mit Veerman defensiv gegen den Trend schwimmen können - was wir mit Groß nicht konnten. Zumal die Intensität in der Rückwärtsbewegung gefühlt weiterhin höher ist als im Spiel nach vorne. Selbst wenn die numerische Überzahl rund um die Kette daher mal nicht da ist - was vor allem auf Ryersons Seite riskiert wird -, wird viel daran gesetzt, dass der Gegner nicht zu viel Zeit bekommt, um deren Fehlen zu nutzen. Wir haben defensiv daher das Risiko erhöht, dass wir Fehler machen und bieten definitiv Räume an, die die Gegner noch nicht gut finden. Wir haben aber eben auch etwas getan, dass das Risiko nicht einseitig erhöht wurde. Wenn man so will, dann gab es die Risikosteigerung nicht ohne gegensteuernde Maßnahmen. Was hier am Ende die Überhand behält, wird die Zeit zeigen müssen. So klar, wie es jetzt ist, muss es jedenfalls nicht bleiben. Da darf man bspw. Gadou individuell nicht überschätzen, da er noch genug Baustellen in seinem Spiel hat, obwohl er bislang der größte individuelle Hebel ist, um innerhalb der bisherigen Prinzipien mehr Risiken einzugehen.
Den Absatz finde ich spannend.
Du betrachtest das gerade aus der Sicht: Wir stehen höher und Gadou kann das mit seinem Tempo absichern.
Ich vermute, dass genau dahinter der Plan bei Gadous Verpflichtung war.
Eben mehr Tempo in die Kette zu bekommen, um höher stehen zu können, d.h. vielleicht war der Ansatz aus der letzten Saison dem geschuldet, dass wir einfach nicht das passende Spielermaterial hatten, um hoch zu stehen und Kovac deshalb diesen Ansatz gewählt hat.
Das würde bedeuten, dass wir taktisch und in der Kaderplanung mal sehr sinnvoll gehandelt hätten, was ich auch von Book erwartet habe.
Anders gesagt: Bedarf analysiert, Bedarf behoben und Kovac nutzt es auch so, wie er es haben wollte.
22.09.2026 - 10:51 Uhr
Zitat von AubaBVBschnub
Du betrachtest das gerade aus der Sicht: Wir stehen höher und Gadou kann das mit seinem Tempo absichern.
Ich vermute, dass genau dahinter der Plan bei Gadous Verpflichtung war.
Eben mehr Tempo in die Kette zu bekommen, um höher stehen zu können, d.h. vielleicht war der Ansatz aus der letzten Saison dem geschuldet, dass wir einfach nicht das passende Spielermaterial hatten, um hoch zu stehen und Kovac deshalb diesen Ansatz gewählt hat.
Das würde bedeuten, dass wir taktisch und in der Kaderplanung mal sehr sinnvoll gehandelt hätten, was ich auch von Book erwartet habe.
Anders gesagt: Bedarf analysiert, Bedarf behoben und Kovac nutzt es auch so, wie er es haben wollte.
Du betrachtest das gerade aus der Sicht: Wir stehen höher und Gadou kann das mit seinem Tempo absichern.
Ich vermute, dass genau dahinter der Plan bei Gadous Verpflichtung war.
Eben mehr Tempo in die Kette zu bekommen, um höher stehen zu können, d.h. vielleicht war der Ansatz aus der letzten Saison dem geschuldet, dass wir einfach nicht das passende Spielermaterial hatten, um hoch zu stehen und Kovac deshalb diesen Ansatz gewählt hat.
Das würde bedeuten, dass wir taktisch und in der Kaderplanung mal sehr sinnvoll gehandelt hätten, was ich auch von Book erwartet habe.
Anders gesagt: Bedarf analysiert, Bedarf behoben und Kovac nutzt es auch so, wie er es haben wollte.
Das wurde in der letzten Saison breit diskutiert und ein Argument war tatsächlich, dass uns das Spielermaterial fehlt. Auch jetzt bin ich weiter der Meinung, für ein dominantes Ballbesitzsystem fehlen die Spielerprofil, um das auf einen Niveau umzusetzen, welches uns auch die Ergebnisse erzielen lässt, die wir benötigen.
Nur bei dem Punkt Book, bin ich mir nicht so sicher. Gadou war der erste Transfer der früh abgehakt werden konnte (Mai). Im März hat ihn Kehl persönlich noch beobachtet, weshalb die Idee dahinter wohl schon länger besteht und Book es dann umgesetzt hat bzw. für fachlich korrekt eingeschätzt hat. Er hätte es ja auch über den haufen werfen können, nur ich denke das auch Kovac vielleicht eine größere Rolle spielt. Vielleicht hat er sogar den Bedarf ermittelt, das Scouting hatte dann Gadou ganz oben auf der Liste, Kehl hat es im März selbst einschätzen wollen und das alles wurde an Book weitergegeben, der es finalisierte. Teamwork. Ricken hatte auch betont, dass man ihn seit seiner PSG-Zeit auf dem Radar hat. Das ist kein exklusives Book-Ding gewesen.
Diesen Bedarf (Tempo in der letzten Kette) wurde hier im Forum auch so gesehen, gerade der User BVBBC hatte das immer in Bezug auf Süle/Anton und dem zunehmenden Tempo in der Liga deutlich beschrieben. Wenn ich mich nicht täusche.
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